Liquido, Guano Apes, Groamat-Time & der Niederösterreichische Landeskulturpreis

Eine einfache, kindliche Melodie, ein Beat, ein Chorus, ein absoluter Über-Hit.

Die Rede ist von „Narcotic“, einer Hymne wie sie nur einmal in zehn Jahren geschrieben wird. Mit 700.000 verkauften Einheiten die bestverkaufte deutsche Single 1999, Nummer Drei in den deutschen und hohe Notierungen in allen europäischen Charts. Australien, Südafrika, Asien, Mexiko „Narcotic“ kletterte weltweit in die Verkaufsränge, in einigen Ländern sogar bis auf die Pole Position. Das Fieber grassierte. „Liquido“ waren über Nacht in aller Munde, aller Ohren und auf allen Kanälen. Erklären kann das noch nicht einmal die Band.

liquido

Manch andere Band wäre an der Bürde der ersten, völlig außer Kontrolle geratenen Erfolgswelle zugrunde gegangen. Nicht so „Liquido“. Sie haben sich auf ihre Stärken besonnen, veröffentlichten mit „Doubledecker“ den zweiten großen Charterfolg und legten in Form von „Clicklesley“ eine weitere stilistisch völlig unterschiedliche Single nach. In Indonesien kam es sogar so weit, dass sich mit „Narcotic“ und „Doubledecker“ zwei Liquido Singlse gleichzeitig in den Top Ten den Rang abliefen

Zum Konzertaufbau, der „Liquido“-Crew und dem Konzert selbst gibt es nicht viel zu sagen. Alle wussten, dass am Tag davor „Guano Apes“ in dieser Lokalität gespielt hatte. Die Künstler mit dem Betreuerstab zickten nicht herum so wie das bei größeren Bands öfters der Fall war, denn das wäre uncool gewesen. Ein Veranstalter bzw. ein Club, in dem die „Apes“ spielten, musste einfach perfekt sein. Spätestens als die „Liquido“-Stagecrew die hauseigene Vergnügungsecke entdeckte und ihre Rauchschwaden das Avalon in mystische Nebel tauchten, waren alle zufrieden.

Die Show war gut durchdacht, die Massen flippten erwartungsgemäß bei „Narcotic“ und „Doubledecker“ vollkommen aus und als der Nightliner Bus wieder abdüste, war die Dj Party im Kino noch voll am Laufen. Wir versuchten nach jedem Konzert möglichst rasch den Dj zu aktivieren, damit die Leute blieben, weiter abfeierten. Das machte gute Laune, der Abend durfte ruhig länger werden und der ansteigende Bierkonsum tat dem Schuldenberg gut!

schankanlage allentsteig

Showdown „Guano Apes“

Gegründet 1990 von Henning Rümenapp, Dennis Poschwatta und Stefan Ude in Göttingen. 1994 stieß Sandra Nasic zu ihnen. Die vier hatten ihr erstes großes Erfolgserlebnis, als sie sich 1996 bei dem Nachwuchswettbewerb „Local Heros“, der von Radio ffn und Viva veranstaltet wurde, gegenüber 1000 Konkurrenten durchsetzten. Mit dem vom Land Niedersachsen gestifteten Preisgeld finanzierten sie ihr erstes Album „Proud like a God“, das 1997 erschien.

guano apes

Ich sah das Album zufällig im Plattenladen stehen. Das CD-Cover von „Proud Like a God“ gefiel mir, und das was ich beim kurzen Reinhören vernahm, umso mehr. Im Cd Booklet stand die Mailadresse der Bookingagentur. Ich schickte eine Anfrage, war sehr euphorisch und bekam auch eine Antwort. Leider, leider keine Zeit für Österreich, ein nettes „Vertröste-Mail“! Das Avalon und die Veranstalterei waren für mich 1997 noch sehr jung. Mir ging es mit den Guano Apes wie mit Tocotronic. Ich bemühte mich lange, schrieb von 1997 bis 2000 ein bis zweimal jährlich. Stellte mich immer wieder vor, blieb freundlich im Verhandeln, aber hartnäckig in der Sache.

Wer sich damals wie heute mit jedem Veranstalter um diverse Einzelshows namhafter Künstler bemühte, war der Harry Jenner. Heute Betreiber der Firmen Skalar, Musicnet und Frequency Veranstalter. Auch er hat klein angefangen und mietete sich beim Eller Tom im Flex ein und macht bis gestern dort den Club „Panic“. Er sah sich als Eventpromoter von Anfang an als Gewerbetreibender, für den die Musik eher Nebensache war und auch ob die Künstler_Innen was zu sagen hatten oder der Act einen gesellschaftspolitischen Mehrwert brachte. Der Eventpromoter verkam zum Kapitallukrierer. Nicht dass ich der Meinung bin, dass Guano Apes die Band mit dem gesellschaftspolitischen Anspruch wäre, das wäre dann gar zu viel verlangt, und doch wollte ich mein Interesse am Veranstalten im Ganzen als Auftrag wahrnehmen die Welt ein klein wenig schöner, wohliger zu machen. Mir ging es um die Sache und nicht ums Geld, auch nicht in Zeiten höchster Finanznot.

chris und rene im avalon allentsteig

Um die einzige Österreichshow der Apes bemühten wir uns beide. Er packte die ganze Sache anders an. Mir gefiel eine Band musikalisch, dann wollte ich sie in meinem Club haben. Er war in permanentem Kontakt mit den Plattenfirmen, beobachtete die Verkaufszahlen und buchte eine Band ausschließlich nach der vermeintlichen Erfolgsquote. So wollte er mir über die Plattenfirma drein pfuschen, indem er der österreichischen BMG (Bertelsmann Music Group) empfahl, mich bei der deutschen Bookingagentur schlecht zu machen. Mich rief Enrico, der Bookingagent von den Apes an, berichtete mir von der unschönen Story und meinte, dass er so eine Vorgehensweise gar nicht abhaben kann und ich nun umso fixer die Zusage habe.

Meine langjährigen Bemühungen wurden schlussendlich mit einem Auftritt belohnt. Sie hatten gerade ihre USA Tournee als Vorband von CREED hinter sich gebracht und ihr zweites Album „Don´t Give me Names“ veröffentlicht. Sie waren am Zenit angelangt.

avalon flyer 2000 guano apes liquido

Die Reaktion auf die erste Platte war zu Beginn medial etwas verhalten. Das änderte sich jedoch recht schnell und das Album konnte sich über ein Jahr in den deutschen Charts halten. Auch die ausgekoppelten Singles „Open your Eyes“ und „Lords of the Boards“ wurden zu Hits und sind immer noch die bekanntesten Lieder der Band. Das zweite Album, welches nach Meinung Vieler komplexer und professioneller als ihr Debütalbum wirkt. Die Platte wurde mit einem Echo und einem MTV Music Award ausgezeichnet. Auch die Ausgekoppelte Single „Big in Japan“ (im Original von Alphaville) wurde ein respektabler Hit.

Mit beiden Alben im Gepäck kamen sie nach Allentsteig. Dieses Mal nahm ich es mit der Bühnenanweisung noch genauer, besorgte wie angefordert 12 große Badetücher und 12 Handtücher, erlesenen Wein, Schnaps und ein Direktzugang vom Backstage zur Bühne musste her. Als gelernter Maurer kein Problem. Oder doch ein Problem? Die Nazis hatten gute Arbeit geleistet. Das Kino 1938 als Wehrmachtskino gebaut, glich einem Bunker. Die Mauern waren mindestens einen Meter dick und die roten Ziegel so hart, als ob sie direkt in der Hölle gebrannt worden wären. Ich rackerte zwei volle Tage, bis das Loch für eine Türe groß genug war und staubte mit dem feinen fettigen Ziegelstaub den ganzen ersten Stock voll. Alleine die Putzerei war Hölle. Ohne einem idealistisch ehrenamtlich arbeiteten Team wären derlei Wahnsinnigkeiten gar nicht möglich gewesen. Sagen Sie doch heute mal einem Abgänger eines Kulturmanagment Bachelor Studiums, er solle doch bitte mal einen Presslufthammer organisieren und in die Kunsthalle rasch ein Loch stemmen. Das Gesicht würde ich gerne sehen…

Das fertige Produkt konnte sich sehen lassen. Eine wunderschön geschwungene Naturholztreppe führte ab dem Guano Apes Konzert direkt vom ersten Stock, Backstage, bis zur Bühnenkante. Eine zusätzliche Toilette wurde installiert und weil im Künstlervertrag stand, dass sich die Sängerin Sandra Nasic über Blumen im Backstage freuen würde, betteten wie die Dame sprichwörtlich auf Rosen. Sogar im Sanitärbereich hatten wir Vasen mit Rosen hinstellen lassen. Sie sollten sich rundum wohl fühlen, ich wusste was ich der Band und der Bookingagentur schuldig war. Hoffte ich doch weitere Großacts von derselben Agentur an Land zu ziehen.

Auf der Bühne standen 4 Personen. Im Tourtross hatten sie 13 Personen mit. Eigenes Securitypersonal und eine Tourmanagerin, die so was von überprofessionell war, wie ich es bis dahin nicht erlebt hatte. Sie hatte bereits Tourneen mit Iggy Pop und den Toten Hosen hinter sich. Die Abrechnerei vor der Show mit Schilling, deutschen Mark, einer EWR Freihandelszone und einem Euro, der am Papier schon existierte, aber in echt noch nicht sowie dem Einrechnen der „Ausländersteuer“ war eine mathematische Meisterleistung. Googeln Sie doch bitte einmal „Ausländersteuer“! Was für ein unnötiger Verrechnungsspaß.

Als alle Techniker, Backliner und Musiker mit den Vorbereitungen zufrieden waren, gab die Tourmanagerin den Auftritt frei. Die Show konnte beginnen.

guano apes setlist allentsteig

Beinahe hatten wir es mit dem Ticketverkauf übertrieben und die Hütte war eigentlich zu voll! Die Masse bewegte sich wie eine Woge nach links und rechts, vor und zurück, immer schön im Gleichklang. Hüpfen konnte Sie auch. Beweise dazu sieht man auf der Avalon Doppel DVD die Rene und ich 2010 produziert haben und die noch erhältlich ist.

Das war Rock´n Roll, alle Notausgänge standen sperrangelweit offen, ein dutzend Sicherheitsleute bereit. Immer mehr Gäste kamen und stellten sich außerhalb der offenen Türen, um nur einen winzigen Blick zu ergattern. Ein wunderschöner Abend

Vor lauter Schwärmen über die Großkonzerte, die wir als Presseteaser brauchten um das Haus in die Gehirne der Musikagenten zu transportieren, vergesse ich fast auf die eigentliche Kulturarbeit. Das Groamat Clubfestival war noch immer das Herzstück des alten Kinos.

folder herbst 2000 rückseite avalon

8.-10.9.00 war Groamat Time!

Das Groamat Konzept stand auf drei Säulen: Kino, Konzerte, Lesungen

Am Sonntag zeigten wir die Filme „Idioten“ von Lars von Trier, „Festen - Das Fest“ von Thomas Vinterberg und zum Abschluss, den „Buena Vista Sozial Club“ von Wim Wenders. Lesungen gab es die drei Tage über unter anderem von Vera Reuman, Adi Morawitz und Gerhard Altmann, gelesen wurde am Feuer unter Bäumen. Die Texte konnten die jungen NachwuchsliteratInnen selber wählen.

So wie die letzten zwei Jahre auch, war das Groamat On Air. Radio Aufdraht in Kooperation mit Radio Orange sendete auf freien Radiostationen. Radio Aufdraht sorgte für die richtige Verbindung. Die Langenloiser - Kremser Gruppe rund um Christian Berger und seinen Partner Matthias „Hiasl“ Fürpass, setzte sich bereits seit über 10 Jahren mit Radiomoderationen und -produktionen auseinander und leistete unbezahlte Pionierarbeit in der Medienwelt. Radio Aufdraht setzte auf breit gefächerte Aktivitäten und bildete in Workshops Interessierte zu neuen Mitarbeitern heran. Die Produktionen wurden in Kooperation mit Freien Radiosendern Österreichs gesendet. Beim Groamat wurde das Line Up auf Radiostationen in Wien (Orange), Oberösterreich (Fro), Salzburg und Steiermark (Agora) übertragen und gleichzeitig ins Internet gestreamt! Fast jede Band der letzten und folgenden Jahre wurde zu einem Interview gebeten und es sammelte sich ein interessantes Archivmaterial an. Dem Christian und dem Hiasl sei Dank.

Musikalisch hatte ich wieder Feinstes gebucht. Am Freitag war Pop angesagt. Es spielten „The Base“, „Garish“, „Äbyss“, „Heinz aus Wien“ und „Die Sterne“. Ein sehr rundes Programm und mit den „Sternen“ erfüllte ich mir einen persönlichen Wunsch. Leider waren sie am Abend etwas unentspannt, hatte wahrscheinlich damit zu tun, dass sie erst 40 Minuten vor ihrem Auftritt im Avalon angekommen sind. Dafür waren sie auf der Bühne umso überragender. Ein sehr trauriges Ereignis überschattete den Freitag. Der Sänger von „Äbyss“ hatte in den letzten Monaten bereits mit Krebs zu kämpfen. Die Musik war alles für ihn und er wollte diesen Gig unbedingt spielen. Leider ist er drei Tage vor dem Termin gestorben und dankenderweise sprangen „Echophonics“ ein und spielten ein wunderschönes Konzert in Gedenken an ihn. Danke dafür!

die sterne

Der Samstag war bunt gemischt. Frei nach dem Motto: „Die Zukunft muss bunt sein oder Sie wird nicht sein“, buchte ich verschiedenste Musik Genres und das Feedback der Gäste gab mir recht. Heute bei den Festivals normal, die Genres wild zu mischen, war das Ende der Neunziger noch gar nicht so üblich. Es gab ein Jazzfest, ein Reggae Festival oder ein Metal Camp, die Durchmischung selten.

Begonnen hat „Heiligenblut“ (Indie Rock), gefolgt von „BulBul“ (Schräglagenrock), „Terrorgruppe“ (Punk), „Haggard“ eine Mixtur aus Klassik und Metal und um 0.00 Uhr enterte wieder einmal die avalonsche HausbandWipeout“ die Bühne. 

Die Zeitung „Der Standard“ schreibt über „Wipeout“: „Wipeout spielen hard’n’easy industrial beeinflusste Disco mit anti-rechtem Ariengesang und 80er Wave verwandten Pop - Bewusstsein wie Soft Cell und New Order, in dessen Schaltkreisen sich die neuesten Umwege der Electro und Ambient - Dub widerspiegeln.

Das auf Wien und Linz verstreute Trio um Didi Bruckmayr (Vocals, auch als Frontmann der Noise - Avantgardisten und Extrem - Body - Performer „Fuckhead“ bekannt), Wolfgang „Fadi“ Dorninger (Samples/Analog-Synth) und Dieter Kern (Electronic Drums & Samples, Zeugler bei Pest und Fuckhead) lässt „widersprüchliche Systeme wie Techno und Rock auf atemberaubende Weise aufeinanderprallen“ und erspielt sich damit in kürzester Zeit den Ruf der „kompromisslosesten und auch Richtungsweisenden österreichischen Band. (Salzburger Nachrichten)

Um den Bogen zurück zum Sonntag zu spannen: Man darf sich die Stimmung im Haus so vorstellen, dass die Crew nach in Summe fünf Tagen Arbeit und Feiern am Ende war, das Haus und das noch übrige Publikum vollkommen abgerockt hatte und in den Grundfesten zerstört war. Und so warfen wir Sonntag morgens, während unsere Putzfrau Helene mit ihrer Mama und den zwei Hunden versuchte, der Plastikbecherberge Herr zu werden, die Matratzen vom Balkon in den Saal, weckten die letzten Schlafenden vom Matratzenlager auf und bauten im noch halbversüfften Saal ein großes Bett, wo die Kinointeressierten auf Großleinwand mit 35mm Projektoren das Clubfestival ausklingen ließen.

Kulturpreis für Avalon

AVALON gewinnt den "Landeskulturpreis für soziokulturelles Handeln" in NÖ. Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll überreicht den Preis am 11.November im Landhaus St. Pölten.

chris rabl und erwin pröll

Es kam völlig unerwartet. Klar haben wir bei der Ausschreibung zum Kulturpreis eingereicht. Es gab 5000,- Euro und ein lecker Buffet zu gewinnen. Wir haben einige Pressemappen, ein Präsentationsvideo und das Avalon Konzept an die Niederösterreichische Kulturabteilung geschickt. Die Sparte „soziokulturelles Handeln“ war neu. Schön, dass wir den ersten Preis in dieser Richtung erhalten haben. Der „Wermutstropfen“ dabei, ein Jahr darauf, hat man uns gleich mal die Mittel gekürzt. Ja, von einem Preis kann man sich leider nichts kaufen. Aufregend war's trotzdem.

Die Preisverleihung im Landhaus, der ORF, die vielen Politiker und dann war noch das Grubenunglück in Lassing mit vielen Toten. Der Landes-Erwin hat aus dem Stegreif heraus eine Rede gehalten, dass einem echt die Gänsehaut aufgestiegen ist. Zuerst die Trauer um die Toten, langsamer Übergang zur Kultur und schließlich ein strahlendes Lächeln, beim Wesentlichen angekommen. Fast eine Stunde lang sprach er und noch einmal solange dauerte es, bis ich die Urkunde in der Hand hielt. 1000 Schweißtropfen, einige Worte mit Frau Prokop, der damaligen Erwin-Vize und späteren Innenministerin, anschließend zum Buffet. Dort blamierte ich mich gleich fett, indem ich die Mimi Wunderer mit der Valie Export verwechselte. Na ja, man kennt sie nur aus dem Fernsehen und ich lebte am Land.

urkunde landeskulturpreis

Der folgende Text ist die Laudatio (Lobhudelei) zur Preisverleihung

Die Sonne hat sich kräftige Bahnen durch die Wolken des Waldviertler Himmels gebohrt. Die Assoziation Konzertbühne, Gegenlicht, Nebelmaschine kommt auf. Die Strahlen treffen auf Bäume, die in sattem grün erscheinen. Eine Tafel taucht auf: "Durchfahrt Allentsteig geöffnet". Die natürlichen Lichtspiele haben etwas Angenehmes, die Umgebung etwas Eigenartiges - Truppenübungsplatz eben. Der Gedanke an das angepeilte Ziel verdrängt unangenehme Gefühle. Ortstafel Allensteig, ein wenig bergab und abermals erscheint auf einer Anhöhe "Lichtspiele", diesmal in Schriftform auf der Fassade des wohl lebendigsten Gebäudes im Ort.

AVALON ist angesagt! Mythologisches Symbol für Paradies, ewige Jugend, roter Faden durch ein Labyrinth und geheimnisvolle Legenden. "Unser" AVALON ist 11 Jahre nach der Gründung auf dem besten Weg dazu selbst ein Mythos zu werden. Was 1992 eine Gruppe junger WaldviertlerInnen neu durchstartete, ist mittlerweile zum Aushängeschild niederösterreichischer Jugend- und Soziokultur geworden. Das Ziel, dem leerstehenden Kino in Allentsteig frisches Leben einzuhauchen setzte ungeahnte Kräfte frei. Immer neue Schwierigkeiten finanzieller, behördlicher und bürokratischer Natur schmiedeten die junge Truppe zu einem "Excalibur". Chris Rabl: "Es gibt nur mit Power voraus oder aufhören, dazwischen sind Halbheiten, die brauch ma net". Und so fanden die Avalons auch den roten Faden um durch kommunikatives Zueinanderführen ein multimediales Kultur- und Kommunikationszentrum entstehen zu lassen. Wohlbemerkt in einer 2700 Einwohner zählenden Gemeinde am Rande des Truppenübungsplatzes. So manche Stadt erblasst vor Neid.

Das Konzept gibt den vielschichtigen Aktivisten um Chris Rabl und René Loncsar recht. Die Waldviertler Jugendkultur ist bereichert: 60 Aktive leisten die Arbeit für AVALON und die beiden assoziierten Vereine Kulturzentrum Waldviertel und Kultmedia. 2200 eingetragene Mitglieder sprechen ebenso für sich wie die 7000 BesucherInnen bei ca. 50 Veranstaltungen jährlich. 

Sechs Säulen tragen das Kreativpotential von AVALON: Kino, Konzerte, Partys&Events Internet, Intranet, Multimedia.

Im Kino setzten die Waldviertler auf ein cineastisch begeistertes Publikum zwischen 18 und 35 mit wechselnden Schwerpunkten abseits des Mainstream.

Im Musikbereich ist es gelungen die beiden Herzensangelegenheiten Internationalität und regionale Nachwuchsförderung unter ein Dach zu bringen. Joe Zawinul, die Brüder Muthspiel oder Attwenger gastieren ebenso im AVALON, wie Jungbands, die ihre ersten Bühnenerfahrungen sammeln. Anhand dieser Beispiele lässt sich sehr schön eine AVALON-Maxime festmachen: "Vielseitig und Mitanaund". Durch vielfältige Kooperationen, vernetzte Veranstaltungskalender und Eigenveranstaltungen konnte man sich in der Musikbranche etablieren.

Hinter der etwas global umschriebenen Säule Partys&Events verbirgt sich ein durchdachtes Konzept mit dem Ziel, einerseits  neue Publikumsschichten anzusprechen, und andererseits eine universelle Alternative zur "Berieselungs-Disco" anzubieten. Die verschiedenen Räumlichkeiten des Kulturzentrums werden zu einem homogenen Ganzen geführt und  genutzt. Internet und Intranet spielen dabei eine wesentliche Rolle. Das zukunftsträchtige Medium steht allen Interessierten kostenlos zur Verfügung. Mit Rat und Tat stehen Absolventen des Lehrganges "Multimedia Art" den Jugendlichen zur Seite. Chatten, kommunizieren, informieren. Nichts bleibt stehen, nichts stagniert, nichts erstarrt, AVALON panta rei. Aus Discopublikum werden kreative und kritische User neuer Techniken, bis hin zum Internet-Radio.

Langer Atem und konsequentes Umsetzen von Zielen haben AVALON den Ruf eines einmaligen Jugend- und Kulturzentrums mit kreativen Ausbildungsmöglichkeiten eingetragen. Viele Jugendliche wurden und werden in den Verein integriert und finden in Positionen, die ihren Fähigkeiten entsprechen, Freiräume und Tätigkeitsbereiche in denen sie auch daran gewöhnt werden Verantwortung zu übernehmen. Die Jugend dankt es.

Dazu nur zwei Kommentare aus www.kv.avalon.at: "ganz toll für mich als Allentsteigerin, dass da im sonst etwas kleinbürgerlichen & biederen Allentsteig etwas an Subkultur passiert...".
"Mädels, Jungs, Leute - ihr habt mit Avalon etwas Einmaliges erschaffen und darauf könnt ihr echt stolz sein. macht weiter so".
Dieser Aussage schließe ich mich aus Überzeugung an und wünsche dem würdigen Preisträger dass die Utopien von heute Morgen schon lebendige Wirklichkeit sind.
von Didi Jäger (ehem. Obmann Kulturnetz NÖ)der waldviertler über den jugendkulturpreis

Das Avalon Exil eröffnet noch immer!

Musikalisch gab's im kleinen Exil zu Krems an den Eröffnungstagen wieder einmal die Hausfreunde von „Attwenger und Wipeout“. Hütte voll!

avalon exil eingang

Zwei Wochen später spielten „Garish“, feinster Pop aus dem Burgenland und am 14.12.00 sollte eine Band aus Silver Springs Maryland/USA namens „DOG EAT DOG“ im kleinen Exil spielen. Wir hatten die Kapazität noch nicht ausgereizt und wussten nicht ob wir uns das, mit keinem Direktzugang zur Bühne, einem kleinen Backstage - Bereich, überhaupt antun sollten. Der Vorverkauf sprach gute Zahlen und so beschlossen wir eine Woche vor dem Konzerttermin, die Show in Allentsteig zu spielen. Ein Shuttlebus (50 Sitzer) wurde gemietet, den Leuten die eine Vorverkaufskarte hatten, kostete das keinen Cent mehr. Die Künstleragentur willigte ein.

avalon exil krems außen

Der Tag des Konzertes brach an, das alte Kino in Allentsteig war bereit. Wie immer alles perfekt vorbereitet. Womit wir allerdings nicht gerechnet hatten, war ein komplett verrückter deutscher Tourbegleiter. Klar hatten wir die Band von einer der größten deutschen Musikagenturen der „Four Music“ gebucht. Klar dass die einen Profi mitschickten, aber der Typ war nicht auszuhalten. Zuerst zu wenige Besucher. Ok, wir hatten es in einer Woche nicht mehr geschafft die Waldviertler zu mobilisieren. Dann musste der Vodka auf Eis sein. Ein wenig Eis hatten wir, aber nein, er wollte eine Badewanne voll! Eine Badewanne voll Eis?

Nach dem Konzert ging er mit mir durch den Saal, zeigte auf wildfremde junge Mädchen und sprach:“ Du, du, du mitkommen in den Backstage. Ich verstand die Welt nicht mehr. Den Damen gefiel´s und sie kamen mit. DOG EAT DOG, hatten sich auf der Bühne voll ausgetobt. Sie übten mit dem Publikum „Stage Diving“, präsentierten ihren Trommler, der auch beim „Wu Tang Clan“(eine HIP-HOP Gruppe aus Staten Island, New York) spielte und hatten mächtig Spaß dabei. So wie das Publikum auch. Denn es brüllte bei jeder Nummer als ob tausend Besucher im Saal wären. Die Chemie zwischen Band und Publikum passte und jeder tat das, was er am Besten konnte.

avalon exil krems

Als der Tour-Manager mit den Mädels im Backstage ankam, verdrehten die Musiker nur die Augen. „Nicht schon wieder, wir wollen nur unsere Ruhe!“, las ich in Ihren imaginären Spechblasen. Ihnen ging der zugeteilte Tourmanager genauso auf den Nerv wie mir. Froh war ich, als ihr Tourbus in Richtung Niemandsland davon rollte und endlich für uns die Party beginnen konnte.

 

Wann & Wo

avalon.kultur

Pfeilgasse 27 / Ecke Albertgasse
1080 Wien

Mo-Sa ab 17:00 Uhr
Sonntags geschlossen

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