Das Millenium & der Kulturverein Avalon, eine persönliche Nachricht von Sportfreunde Stiller, große Herausforderungen im Weltuntergangsjahr & die Reaktion von Guano Apes Sängerin Sandra Nasic beim Betreten des alten Kinos.

Ein Schicksalsjahr!

Millenium, ein weiterer Jahreswechsel wo die Welt unterzugehen drohte. Was wurde alles vorhergesagt das passieren könnte? Zusammenbruch der Börse, Schaltsysteme von Atomreaktoren spielen verrückt, sämtliche Computer verwirren sich selbst. Als Kind der in den 80ern sozialisiert wurde konnten mich die Vorhersagen nicht erschüttern. Die Achtziger, als die Welt vor dem Abgrund stand. Der eiserne Vorhang, der kalte Krieg, Aufrüstung, Atomsprengköpfe und nichts ist passiert.

Avalon Allentsteig

Nicht, dass ich ernsthaft beim „Millenium“ an den Weltuntergang geglaubt hätte.Veränderungen hatte man medial angekündigt und Veränderungen waren im Gang, die den Verein Avalon und im Speziellen meine Arbeit massiv beeinträchtigten. Der Kulturverein war seit 1992 tätig. 72 Bauauflagen hatte man gestemmt, der Schuldenberg ging in Richtung der Million Schilling Schulden-Marke. Wir hatten die letzten zwei Jahre bewiesen dass wir willig waren, den Verein in neue Dimensionen zu heben, hatten Großkonzerte mit Tocotronic, H-Bockx und Such a Surge abgewickelt. Für eine Kulturinitiative am Land mit Kino, eigener Kulturzeitung und der Konzertschiene am Wochenende konnte man sich sehen lassen. Die Zukunft war ungewiss, der Schuldenberg lastete auf meinem Gemüt. Es fehlte die richtige Entscheidung!

Foto Konzert Letzte Instanz

Noch immer war ich mit der Haussituation rund um Allentsteig nicht zufrieden. Allentsteig mitten im größten Truppenübungsplatz Europas. Jeder Gast musste mindestens 35km fahren. Im Winter war das Haus ob der erhöhten Lage, der schlechten bis gar keiner Wärmedämmung und der desolaten Heizanlage fast nicht bespielbar und die restliche Zeit, bis auf einige Großkonzerte und die Rainbows, schlecht besucht. Alles in allem darf man sich nicht beschweren. Was wir hier an Jugend-Subkultur in der tiefsten Provinz abzogen, sollte uns mal jemand nachmachen. Allentsteig selber wirkte wie eine tschechische Grenzstadt in den 90ern. Schlechte Infrastruktur, verfallene Häuser, kaum Geschäfte. Der Gemeindearzt Dr. Danzinger fragte mich immer, wenn wir uns auf der Straße begegneten: „Na, Herr Rabl, wie geht's Ihnen in der Gruft?“ Er wusste, dass Allentsteig tot war! Wir waren dagegen das Leben und trotzdem war ich unzufrieden. Ich sehnte mich nach einem kleinen Konzertlokal, überschaubar, leicht zu händeln, wenig Personal, dafür ein feines Kultur- und Gastroangebot. 

Foto Konzert Letzte Instanz

Es wurde aber auch Zeit, dass finanziell etwas passierte. Wir arbeiteten seit Jahren ehrenamtlich, zahlten uns nur kleine Funktionsgebühren von umgerechnet 70,- Euro einmal im Monat. Gerade mal so einen Anerkennungsbetrag! Die Ehrenamtlichkeit funktioniert, solange du als Verein nur ab und an Akzente setzt. Ein- bis zweimal im Jahr ein Fest zu organisieren, ist kein Problem, über Jahre hindurch Leute zu finden, die ihren „Job“ gut und gewissenhaft machen, einzig für Jux- und Tollerei, ohne nennenswerte Bezahlung, war dann eher schon ein Kunstwerk. Und weil das riesige Haus mit seinem riesigen Personalaufgebot so mühsam war, suchte ich fiebrig nach etwas Neuem, etwas Zweitem, das auch ein oder zwei wirkliche Jobs abwarf, denn von Allentsteig konnte ich auf Dauer nicht leben, das war mir klar!

Das 7UP in Rudmanns 

Das 7 UP in Rudmanns bei Zwettl war unsere Zweitlokalität geworden wo wir 1997 bereits die Sportfreunde Stiller, damals nur Stiller veranstaltet hatten. Leider durfte ich dort nicht so wie ich wollte. Die Fröschl Traude mit ihrer Mutter als LokalbesitzerIn gab den Ton vor. Bei den Avalon Auswärtsspielen hatte ich den Eintritt, Gastro blieb bei der Traude. Finanziell blieb nichts übrig und wieder nur rein für den Kulturauftrag zu arbeiten, hatte ich satt. Zwettl war ohnedies zu klein. Ich wollte weiterhin Jugendkultur für alternative Kids machen. Denjenigen eine Lobby sein, die keine haben. Das waren nicht viele und zum finanziellen Überleben bedarf es einer Menge Kids.

So warf ich meinen Blick auf Krems

Der erste Versuchsballon in Krems Fuß zu fassen und den Verein Avalon bekannter zu machen, war ein Jahr davor kläglich gescheitert. Wir hatten uns in die sündteuren Messehallen eingemietet und wollten ein riesiges „Ding“ abziehen. HipHop war grad voll im Kommen und ich buchte die heimischen HipHop Acts „Total Chaos und Aphrodelics“ an einem Tag und die Kremser „Faust“, „Ytterbium“, „Rauscher“ und einige mehr am anderen Tag, rechnete täglich mit mindestens 500 Besuchern und ging im Schnitt mit 250 Besuchern pro Tag kläglichst baden. Mein ohnedies angespanntes Nervenkostüm wurde an diesen Tagen durch die Ausraster des Faust-Sängers Sissl zusätzlich ausgedünnt. Über den Gitarristen Alex Miksch erfuhr ich einen Tag vor dem Konzert davon, dass der Sissl aus der Band ausgestiegen sei. Alex schaltete rasch, spielte den Gig trotzdem, ließ Freunde der Band die selber in verschiedenen Musikgruppe sangen auf die Bühne, um je ein Stück einzusingen. Es war ein sehr emotioneller Auftritt. Das Ende von „Faust“!

Und obwohl ich keine guten Erfahrungen als Veranstalter in Krems gemacht hatte, zog es mich doch irgendwie dorthin. Krems, meine Schulstadt. Ihr leicht südländisches Flair, das warme, donaubedingte Klima, Weinberge und die geliebten Heurigen, ja, da könnte ich mich wohl fühlen.

Was gab es in Krems für alternative Freizeitmöglichkeiten? Es gab den so genannten „Jello Keller“ am Stadtgraben und den Jazzkeller am Körnermarkt. Beides kleine Kellerlokale, die auf Alternative setzten, wobei der Jello Keller gerade am Zusperren war. Beide waren auch in einer Vereinsstruktur organisiert und beide machten auf Live Veranstaltungen. Ich konnte mich noch gut daran erinnern, dass ich in meiner Schulzeit 1984 in Krems auf der kleinen Wiese vor dem Jazzkeller meinen ersten rauschbedingten Zusammenbruch hatte und ich nach einem Punkkonzert auf diesem kleinen verpissten Rasenstück ein Schläfchen hielt. Ich wollte aber kein Kellerlokal, obwohl ich Kellerlokale als Ursprungslokale der Musikindustrie sah. So schien es mir jedenfalls nach der gelesenen „Status Quo“ Biographie in meinen Jugendjahren. Mich gustierte es nach dem alten Schlachthof in Krems. Ich hatte das Areal zufällig entdeckt, in der Innenstadt gelegen, am Kremsfluss. Was für eine Lokalität. Da war dann nichts mehr mit klein und überschaubar, das war es. Es könnte sogar ein „Nachfolger“ nach Allentsteig werden.

Projekt „Alter Schlachthof Krems“ 

Mit Mag. Michi Gruber, Gitarrist damals bei der Band „Helga“, machte ich mich ans Werk, ein Konzept mit Finanzierungsplan zum Projekt „Alter Schlachthof Krems“ zu verfassen. Michi brauchte für seinen Studiumsabschluss ein Abschlussprojekt und ihm kam meine Idee grade mal zur rechten Zeit. Er machte eine Bedarfs-Umfrage, ließ von seinem Freund und Architekten Andreas Graf einige Skizzen anfertigen, ich machte den Finanzierungsplan, fuhr mehrmals zu ihm nach Wien. Bis mir aus meinem Auto in Wien der Laptop mit allen Daten rausgeklaut wurde. Was für ein Verlust, ich war am Boden zerstört, der Glanz war weg. Mühevoll rekonstruierten wir die Wochen darauf alle Daten, sahen inhaltlich ein dichtes Kulturprogramm vor. Proberäume, Sozialarbeiter mit einem eigenen Büro vor Ort, diverse Gastroangebote, eine schlaue Vereinsstruktur, wo auch die anderen Kremser Jugendkulturinitiativen eingebunden werden sollten, eine Radiowerkstatt. Kurz, ein umfangreiches Kulturzentrum in Krems sollte entstehen und der Jugend neue Freizeitperspektiven ermöglichen.

Es wurden erste Gespräche mit den Kulturabteilungen von Bund- und Land geführt. Beide sagten uns Mittel zu, verwiesen uns aber auf die Gemeinde. Ohne Zahlungen der Gemeinde gehe gar nichts. Das war mir bewusst, daher fragte ich vorher die anderen Fördergeber, um der Gemeinde eine rasche Entscheidung zu entlocken. Hätte ich vorher mit den Kremser Stadtvätern gesprochen, hätten mich diese im Kreis geschickt und abgewartet, wie sich die anderen Fördergeber entscheiden. Es kam aber anders. Ich versuchte alle Gemeindevertreter zu mobilisieren. Machte mir Termine bei den roten und schwarzen Gemeindefraktionen aus, bekam von den roten als erstes eine Gesprächszusage und „watschelte“ mit den Kollegen Graf und Gruber nach Lerchenfeld in die Kremser SPÖ Zentrale. Vor versammelter Fraktion, ca. 15 Personen (2 Frauen!), präsentierte ich das Konzept und stellte mich anschließend den Fragen. Anfängliche Skepsis konnte ich rhetorisch so gut zerstreuen, dass am Ende des Gesprächs ein 50-jähriger Gemeindeabgeordneter aufsprang und rief: „...Und wenn sie uns den Schlachthof nicht geben, dann besetzen wir ihn!“

Chris Rabl im Avalon Exil

Ich fühlte mich einen großen Schritt näher am Ziel. Die Kremser ÖVP Gemeindefraktion lud mich nicht vor und obwohl ich sicherlich 4mal beim Bürgermeister Hölzl (ÖVP) um einen Gesprächstermin ansuchte, bekam ich nie einen. Bei einer Pressekonferenz des Herrn Bürgermeisters zum Thema Kultur, war auch Lehner Wü als Kulturvernetzer dabei. Den Bürgermeister darauf angesprochen, wieso ich keinen Termin bekäme, wo es schließlich um ein interessantes Jugendkulturprojekt gehe, meinte der lapidar: „Ich muss ja nicht mit jedem sprechen!“ Eine Zeit der Ernüchterung folgte und Trotz kam hervor.

Jetzt erst recht!

Ich unterbreitete dem Vereinsvorstand des „Jazzkellers“ dasselbe Angebot wie der Traude vom 7 Up in Rudmanns. Ich stelle für das ganze Jahr dem Lokal eine fixe Ton- und Lichtanlage kostenlos zur Verfügung, dafür dürfte ich an fünf Tagen im Jahr das Lokal inkl. Gastronomie auf meine Rechnung bespielen. Die Veranstaltungstage werden in beiderseitiger Absprache mindestens ein halbes Jahr vorher festgelegt. Ich finde noch immer, ein mehr als fairer Deal. Beide schlugen mein Anbot aus. 

Für eine Übernahme des Jello Kellers am Stadtgraben, war es leider zu spät, nach einem ersten Telefonat mit der Liegenschaftseigentümerin Frau Eibensteiner stellte sich heraus, dass sie einem gewissen Norbert Karl (Nori) aus Zwettl bereits die Vermietung des Lokals zugesagt hatte. Um eine Woche zu spät!

Ich nahm mein Scheitern zur Kenntnis, tröstete mich damit, dass es anscheinend noch nicht Zeit sei für eine neue Aufgabe und konzentrierte mich auf das Wesentliche, die Veranstaltungen im alten Kino in Allentsteig.
Dort starteten wir obligatorisch so wie wir das Jahr beendeten, mit einer Rainbow Party! Finanziell war das Frühjahr immer am härtesten. Da lief man den Behörden um Förderungen zu bekommen die Türe ein, eine schriftliche Zusage gab´s aber nie vor Mai. So mussten alle Ausgaben vorfinanziert werden und dabei halfen uns die Rainbows immer sehr.

Ohne Rainbow Partys hätten wir bereits 1998 zusperren müssen.

Flyer Letzte Instanz

„Letzte Instanz“, meine „Babys“, musikalisch meine damalige Liebe. Ich veranstaltete sie am Donnerstag, dem 13.4.2000 in der Arena Wien und am Samstag darauf in Allentsteig. Geschminkt, die erdigen mittelalterlichen Instrumente, Geige, Cello und mit ihrer genialen Pyroshow eroberten sie das Waldviertel wie im Flug. Sie nannten sehr bald das Avalon ihre zweite Heimat, nach Dresden. So viele begeisterte Gäste hatten sie nirgends und ihre Show war immer ein Gesamtkunstwerk.

Foto Sänger Letzte Instanz

Wir gaben weiterhin den Nachwuchskünstlern eine Chance und so kamen am 13.5.00 „Facelift“, „Guanako“, „Cautery“ und „Soul Hemp Coding“ auf die Showbühne in Allentsteig.

Mit Kino war 2000 nicht mehr viel. Obwohl wir erst 1998 im Zuge des Kinoförderprojektes „Hundert Jahre Kino“ vom Bundesministerium für Wirtschaft, Verkehr und Kunst, eine einmalige Förderung in der Höhe von 100.000,-ATS (7.200,-Euro) zur Renovierung der unbrauchbaren Kinoprojektoren erhalten hatten, blieben im fernsehverfallenen Österreich die Leute aus. Otto, der Kinovorführer, der gleichzeitig an Kinotagen „erster Heizer“ war und sich seiner Frühpension erfreute, wollte nicht mehr. Er konnte, denke ich, mit unseren anderen Aktivitäten nichts anfangen. Zermürbend war natürlich auch die schlechte Auslastung und obwohl wir es duldeten, dass im Kinosaal geraucht wurde, verirrte sich manchmal nur ein Gast zu uns. Allentsteig lag im Niemandsland. Dadurch war vieles erlaubt, aber einiges unmöglich. Wir spielten trotzdem!

Den Ausfall von Otto kompensierten wir mit jungen engagierten Freunden des Vereins. Oliver und Mex, beide sehr geschickt mit allem was multimedial war. Sie rissen das Ruder herum und hielten die Kinofahne für ein weiteres halbes Jahr hoch. Personal fix anzustellen war undenkbar und so mussten alle ihre Brötchen woanders backen. Vom Zusammenstellen des Programms bis zum Einheizen blieb das Meiste an mir lasten. Rene, die zweite Speerspitze, der Mann der so viele Ideen einbrachte, Büroarbeit erledigte, Zeitung layoutierte, Pc´s wartete, fuhr immer öfter nach Wien, um dort bei einer Webdesign- Firma das nötige Kleingeld zu verdienen. Bei mir ging das alles mit so wenig Geld, weil ich auch kaum private Ausgaben hatte. Ich wohnte mit meiner Familie mitten im Wald ohne Strom und mit Wasser vom Brunnen. Lieber bescheiden leben als für trügerischen Wohlstand zum Arbeitssklaven werden.

Wie auch immer! 2000 war heftig und wenn ich mir das in Ruhe überlege, war ich ganz schön dämlich, dass obwohl in Allentsteig einiges den sprichwörtlichen Bach hinunter ging und ich mehr oder weniger auf mich alleine gestellt war, ich trotzdem eine zweite Lokalität suchte. Mir blieb aber auch gar nichts anderes übrig, denn von Allentsteig konnte niemand leben und ich wollte dass im besten Fall das ganze fleißige Team von ihrer Arbeit Leben könnte.

Dann kam nicht nur das Aus für das Kino, sondern auch für unsere Jugend-Subkulturzeitung, den „Auswurf“. Rene hatte keine Zeit mehr, weder für die Redaktion noch für das Layout. Kienast Tom, ein Drum&Bass Dj und Produzent, sprang für das Layout ein, die Ausgaben wurden dünner, ich war überfordert und schlussendlich stellte ich auch dieses Projekt ein. Eine Auswurf-Abschiedsparty zelebrierten wir im 7 Up bei Zwettl. Kino weg, Sozialarbeiter weg, Zeitung weg, von meinen vielen Jugendkultur-Projekten blieb nur die Party-Konzertschiene.

Wir, das Team, trafen uns nur mehr an Eventtagen, oder wenn ich eine außerordentliche Personalsitzung einberief. Das tat ich so 2-4 mal im Jahr, je nachdem was es zu berichten gab. Aber der Vereinsspirit nahm rapide ab, ich musste die Leute für fast jede Tätigkeit zahlen und wenn du einmal damit begonnen hast, wollen natürlich alle gleich behandelt werden. Das Kernteam rund um Rene, Mex und Mario blieb ehrenamtlich.

Und dann kam der Anruf vom Norbert Karl

Er habe von seiner Vermieterin, der Frau Eibensteiner, gehört, dass ich ein Lokal in Krems suche. Er habe eines am Stadtgraben 17, „Die Bar“ und weil er das Kellnern satt hatte und so weiter. Er hatte das Lokal gerade einmal ein knappes Jahr betrieben und warf schon das Handtuch. Mich machte das nicht euphorischer, ich sah mich aber nüchtern betrachtet meinem Ziel ein zweites Standbein zu finden näher. Wie ich das Lokal betreiben wollte, war mir klar. Dass ich wenig bis keine Ablöse zahlen konnte, auch. Wir verhandelten kurz und hart und zu guter Letzt zahlte der Verein Avalon statt der geforderten Megasumme nur einen Teil davon.

Der Umbau des Avalon Exils startete mit Mitte Oktober und nachdem ich bereits Eröffnungsbands wie „Dog Eat Dog“, „Attwenger“ oder „Wipeout“ gebucht hatte, musste, egal was komme, am 11.11.2000 eröffnet werden.
Davor mussten wir aber noch die üblichen Behörden-Schwierigkeiten bewältigen.

Avalon Exil Flyer Rückseite

Normal ist es so, dass wenn du ein Lokal im bestehenden Betrieb übernimmst, du gleich mit denselben Betriebsauflagen weitermachen kannst. Und wenn du auch noch ein zweites Lokal führst, umso leichter. Eine Woche vor der Eröffnung kam ein RSA Brief vom Magistrat Krems, der nichts Gutes erahnen lies. Und tatsächlich stand darin sinngemäß: Sie planen am Stadtgraben 17 eine „Disco“ zu eröffnen und Live Veranstaltungen durchzuführen und das geht mit der bestehenden Betriebsstättenbewilligung nicht zusammen und ohnehin betreiben Sie in Allentsteig ein Lokal, das eine Sperrzeit bis Mitternacht aufweist und hier wollen sie bis 4.00 Uhr offen lassen und überhaupt geht das alles so nicht.

Ich ging zum Gewerbesprechtag der Bezirkshauptmannschaft Zwettl, schilderte den Vorfall. Der Herr dort griff zum Hörer, rief das Magistrat Krems, Gewerbeabteilung, an und erklärte: „Also wir machen eine Betriebsstandorterweiterung einfach so, die Sperrzeit in Allentsteig wurde schon vor Jahren ausgedehnt...und nein, so machen wir das nicht, denn...usw. Der Beamte in Krems: „Ach sooo geht das.“ Am nächsten Tag, vier Tage vor dem Eröffnungstermin hatte ich die Bewilligungen in der Hand. Eine weniger schöne Story gibt´s von der Polizei Krems zu berichten: Wir kauften bei einem Computerhändler in Krems, auf Leasing versteht sich, zehn neue Pcs plus Server zu einem damaligen Gesamtpreis von 140.000,-Ats (10.100,-Euro). In Krems kannte man uns kaum durch unser Schaffen, sondern nur durch Gerüchte. Das eine Mal wo wir in Krems veranstalteten, lieferten wir eine seriöse Veranstaltung ab, mit wenigen Gästen. Und dennoch erzählte mir der Herr Zimmermann, Inhaber des Computer Geschäftes, dass er mit seinem Schulfreund Kripobeamten Steiner ins Gespräch gekommen sei, und er ihm von seinem „super Geschäft“ mit uns erzählte. Steiner darauf: “Wo´s, du mochst Geschäfte mit die Giftler?

Das Konzept war einfach

Eine Bühne für Kulturveranstaltungen, eine Tanzfläche, eine Chill Out Zone zum Entspannen mit Film sowie gratis Internet Pcs und gute billige Gastronomie. Alle waren gekommen um beim Umbau zu helfen. Da waren nicht nur die mit Strom und Bühnentechnik versierten Leute wie Martin Lee, Gucky Koch, Bernd Neuwirth und Petric Mex, sondern auch der verließ sein Kulturvernetzungsbüro, der Rene installierte die Pcs im Netzwerk und sogar meine Eltern kamen einen Tag zum Putzen vorbei!

Alles lief bis auf den letzten Drücker, am 11.11. um 20.00 Uhr sollte aufgesperrt werden und um 17.00 Uhr lagen noch überall Sägespäne und Werkzeug herum. Und weil wir damals als Team bereits echte Profis waren, schafften wir es doch noch rechtzeitig und das Lokal schlug in Krems ein wie eine Bombe!

Zeitungsartikel Eröffnung Avalon Exil

Der Herbst war extrem stressig. Wir bauten in Krems das neue Lokal um und hatten in Allentsteig ein hochkarätiges Programm abzuwickeln.

Am 23.September spielten abermals Sportfreunde Stiller in Allentsteig von Shlong supportet. Wir hatten schon einige Bands über die Jahre gepusht und viele davon wuchsen mit uns mit. Ob das Faust aus Krems, Letzte Instanz aus Dresden oder die Sportfreunde Stiller aus München waren, um nur einige wenige zu nennen, sie hielten uns als Regionalveranstalter die Treue. Nur die wenigsten schafften es in höhere Gefilde des Showbusiness aufzusteigen und dorthin gehörten die Sportis.

Foto Sportfreunde Stiller

Ab der Tour 2000 spielten Sie in der musikalischen Kategorie der Champions League! Nach diesem wunderbaren Konzert, das alle Anwesenden mit einem wohligen Gefühl in die Nacht hinaus entließ, versuchte ich die Jahre darauf immer wieder eine Sportfreunde-Show zu ergattern. 2004, als die Zeichen rund um das Avalon in Allentsteig nicht mehr gut standen, probierte ich wieder, einen Termin zu bekommen, bekam aber abermals durch ihren Manager Marc Liebscher eine Abfuhr. Er schrieb: „Sei bitte nicht böse, ich und die Jungs wissen, was du für die Band getan hast, aber wir starten gerade voll durch und ich kann dir jetzt schon sagen, dass wir auch 2005 und 2006 nicht zu dir kommen werden. Aber 2007, wenn du uns dann noch haben willst......!“ Ich wollte sie noch haben und es kam ganz anders.

persönliche Nachricht Sportfreunde Stiller an Avalon

Bis dahin hatte ich die Sportfreunde nicht nur zwei Mal in Allentsteig veranstaltet, sondern 1998 auf einer School Off Party im 7UP in Rudmanns. Dort war kurzerhand ein Traktoranhänger zur Bühne umfunktioniert worden und ca.60 Gäste lauschten Klängen der Bands Milt und eben der Sportis. Im Nachhinein eine sehr erdige, aber auch peinliche Veranstaltung. Um mir die Hotelkosten zu sparen, fuhr ich die Sportis nach der Show ins Avalon nach Allentsteig zum Schlafen. Ich hatte ihnen dort ein provisorisches Schlaflager hergerichtet. Die Deutsche Fußballnationalmannschaft spielte irgendein WM oder EM Quali-Spiel. Ich weiß nicht mehr gegen wen. Sie standen zur Zeit des Spiels auf der Bühne und niemand durfte ihnen das Ergebnis verraten. Ich zeichnete das Spiel auf VHS auf und in Allentsteig angekommen startete sie zuallererst die Aufzeichnung. Ich wusste das Ergebnis. Die Deutschen hatten 3:0 verloren. Ich schob ihnen die Kassette ein und fuhr heim mit ein wenig Wehmut im Bauch. Ich wusste, dass sie keinen schönen Abend mehr hatten!

Es folgten Schönheitsfehler mit ihren HIPHOP-Grooves am 14.10. und ein Doppelkonzert: Liquido an einem und der unbestrittene Allentsteig-Headliner Guano Apes Tags darauf.

Plakat Konzerte Allentsteig

Werbetechnisch fuhren wir jedes Wochenende alle Bezirkshauptstädte ab, verteilten Flyer in den Lokalen und Diskos, meistens so lange bis man uns rauswarf. Unter der Woche fuhren wir im ganzen Waldviertel kreuz und quer, bemusterten alles und jeden. Mit dabei war bis 2000 fast immer der Rene und meistens noch der Mex, SC, der Ki oder der Lechner Peter. Wir gestalteten die Werberei so funny wie geht. Denn lustig war das Ganze nur die ersten paar Monate. Irgendwann stellte sich Routine ein und wir wussten genau, in dieser Disco dürfen wir keine Flyer in parkende Autos stecken, in einer anderen durften wir gar nicht flyern, Achtung Konkurrenzdenken, den meisten Barbesitzern war es aber egal. Wir spulten ganz schön viele Kilometer runter von Allentsteig nach Zwettl, Gmünd, Horn, Waidhofen/Thaya bis Krems. Meistens waren das vier Touren pro Werbetour.

In Krems flyerte ich immer am liebsten. Damals gab es ein kleines Lokal in der Innenstadt, wo eher unsere Klientel war. Dort arbeiteten der Gaschi, Sänger bei „Ytterbium“ und der liebe Wiesl, zwei Kremser Starkellner. Bei ihnen blieben wir manchmal hängen, durften unser Werbeziel dennoch nicht aus den Augen verlieren. Mit dem neuen Lokal Avalon Exil fiel die Werbung zumindest für Krems weg. Ab November 2000 hatte man einen Club, wo man sich nicht nur als Verein täglich präsentieren konnte. Wir waren direkt am Zielpublikum. Das war mir wichtig, die Leute dort abzuholen wo sie fortgehen. Das Fresko sperrte zu, es gab eine Neuübernahme und beide Kellner, Wiesl und Gaschi, konnte ich für das Avalon Exil begeistern zu arbeiten, was in Krems zusätzlich für Gesprächstoff sorgte.

Avalon Exil Flyer Vorderseite

Und so fuhren wir auch im Herbst 2000 querfeldein, um sowohl das neue Lokal in Krems, als auch das fette Lineup in Allentsteig zu bewerben. Da staunten die Leute nicht schlecht und ich hörte auf unserer Werbetour öfters: „Schau dir das an, wer da alles spielt im Avalon!“ Ungläubige Gesichter! Bands von diesem Kaliber sah man ansonsten nur in Ballungszentren wie Wien, Linz, Salzburg, dort wo die Presse, die Fernsehteams gleich ums Eck waren und wo man sich die vier Sterne Hotels nur so aussuchen konnte. Künstler, die ein wenig Komfort nach dem Auftritt forderten, musste ich immer mindestens 30 Kilometer weit weg nach Zwettl schicken, zu deren Ärgernis.

Heute undenkbar, dass so bekannte Bands in einem Provinzclub spielen. Heutzutage werden nur mehr Ballungszentren abgespielt. Guano Apes hatten am Tag vor dem Allentsteig-Termin in Barcelona vor 5000 Besuchern gespielt, daher auch die erste Reaktion der Sängerin Sandra Nasic beim Betreten des alten Kinos: „Och, is das hier schnuckelig!“ Am Tag darauf gings weiter Richtung Prag!

Aber alles der Reihe nach und in einiger Zeit.

Kurierartikel Guano Apes im Avalon
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avalon.kultur

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